Was ist Tagesgeld?

Die letzten Monate zeigen deutlich: Tagesgeld ist bei den privaten Anlegern zur Zeit das beliebteste Anlageprodukt. Neben attraktiven Zinsen ist ein Kapitalverlust durch Kursschwankungen wie bei Investmentsfonds oder Aktienpapieren ausgeschlossen.

Tagesgeldkonten zeichnen sich durch ein hohes Maß an Flexibilität aus. Tägliche Verfügbarkeit des Guthabens lassen eine Geldanlage auch dann zu, wenn der Anleger nicht weiss wie lange er auf das Ersparte verzichten kann. Viele Anleger sehen daher von Festzins- bzw. Festgeldanlagen ab, weil Sie befürchten in eine Situation zu kommen in der das Ersparte Geld dringend benötigt wird. Neben unvorhersehbaren Erkrankungen könnte so ein Szenario z.B. ein Totalschaden des PKWs sein. Geld auf Tagesgeldkonten hingegen ist täglich verfügbar. Das heisst, der Kunde kann jederzeit innerhalb kürzester Zeit über einen Teil oder das gesamte Guthaben auf dem Konto verfügen. In jedem Fall ist die Tagesgeldanlage eine bessere Alternative als ein unverzinstes Girokonto oder ein mager verzinstes Sparbuch.

Kein anderes Anlageprodukt wird derzeit so stark von den Haus- und Direktbanken beworben wie Tagesgeldkonten. Aktionszinssätze von bis zu 2,30 % ( Bank of Scotland ) locken die Anleger an und stellen selbst einen grossen Teil der Festgeldangebote in den Schatten. Primäres Ziel der Banken ist neben der Neukundengewinnung die Beschaffung von Liquidität.

Der Nachteil einer Tagesgeldanlage im Vergleich mit Festgeldanlagen ist die variable Verzinsung. Theoretisch sind die Banken berechtigt, die Zinssätze auf Grund von Veränderungen am Kapitalmarkt täglich anzupassen. Bietet eine Bank zum Zeitpunkt der Kontoeröffnung 3,00 % Zinsen auf das Tagesgeld, ist es durchaus möglich das der Zinssatz nur wenige Tage später auf 2,00 % oder weniger gesenkt wird. In der Praxis geschieht sowas in der Regel selten. Die Banken möchten den Kunden halten und wenn möglich auch immer etwas bessere Konditionen bieten als die Konkurrenz. 

Tagesgeldkonditionen orientieren sich am Leitzinssatz der EZB (Europäische Zentralbank) und damit am Kapitalmarkt. Vereinfacht dargestellt steigen die Zinsen dann, wenn auch der Leitzins steigt. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird der Leitzinssatz gesenkt, um für wirtschaftlichen Aufschwung zu sorgen. Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008 konnten mehrere Senkungen beobachtet werden. Die Zinsen auf Tagesgeld sind daher auch deutlich schlecht als wie am Ende des Jahres 2008. Bis zu 5,00 % p.a. konnten die Anleger damals erhalten.

Dennoch lohnt sich eine Tagesgeldanlage immer. Es fallen keine Kontoführungsgebühren oder sonstigen Kosten an. Selbst bei einer sehr geringen Verzinsung von 1,00 % würde der Anleger immer noch der Inflation entgegenwirken und somit einen Gewinn erzielen. Mit Inflation bezeichnet man vereinfacht ausgedrückt den Werteverfall des Geldes.

Ein Kunde ist an keine Kündigungsfristen gebunden und könnte das angelegte Geld sofort bei einer anderen Bank anlegen. Auch deshalb ist das Kreditinstitut darauf bedacht, den Zinssatz konstant und konkurrenzfähig zu halten.

Tagesgeldkonten sind keine Verrechnungskonten. Das heisst, Überweisungen oder Lastschriften können nicht von einem solchen Konto vorgenommen werden. Bei der Eröffnung wird ein Referenzkonto erfragt, um Auszahlungen von Guthaben vorzunehmen. Das Referenzkonto ist in der Regel das eigene Girokonto. Wenn ein Kunde über einen Teil der angelegten Summe verfügen möchte, kann er eine Überweisung auf das Referenzkonto vornehmen. Dieser Vorgang ist immer kostenfrei und beliebig oft durchführbar. Mit Berücksichtigung der Banklaufzeiten ist das Geld innerhalb von 1 - 3 Bankarbeitstagen auf Ihrem Girokonto.

Die Kontoführung wird oft nur über das Internet erlaubt. Transaktionen am Telefon, per Post oder in der Filiale würden den Verwaltungsaufwand zu hoch stellen. Die Bank kann dadurch mit besseren Konditionen um Kunden werben.

Die Verzinsung ist immer p.a. ( per annum = pro Jahr ) angegeben. Der grosste Unterschied liegt bei den Ausschüttungsintervallen. Die meisten Banken schreiben die Zinsen am Ende eines Jahres gut, während andere vierteljährlich oder sogar monatlich ausschütten. Die Mercedes-Benz Bank, Volkswagenbank sowie die Deutsche Kreditbank (DKB) bietet hervorragende Tagesgeldkonten an mit monatlicher Zinsgutschrift.
Der Kunde kann so vom Zinseszins-Effekt profitieren.

Weiterhin ist es möglich, mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken zu eröffnen. Die Eröffnung ist kostenfrei und bedarf keiner Bonitätsprüfung oder ähnliches. Ein Kunde kann das Geld dann je nach Zinslage umschichten und verteilen.

Ein Neukunde könnte z.B. bis zum 31.10.2009 die 2,75 % Zinsen der 1822direkt (Tochter der Frankfurter Sparkasse, unbegrenzte Einlagensicherung) mitnehmen und nach Ablauf des Aktionszeitraumes das Geld zu einer anderen Bank umschichten. Es empfiehlt sich immer ein Auge auf die aktuellen Angebote zu halten.

Tagesgeld ist nicht unsicherer als Guthaben auf Sparbüchern oder Girokonten. Die EU-weit geltende Vorgabe für Einlagensicherung liegt bei
90 % des Guthabens, darf aber 20.000 € nicht überschreiten. Guthaben über dieser Grenze könnte im Falle einer Bankenpleite verloren sein. Zum 01. Juli 2009 wurde die gesetzliche Einlagensicherung im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise erhöht. Pro Kunde und Bank sind 50.000 € durch die staatliche Entschädigungseinrichtung abgesichert.

Diese Regelung bedeutet für die meisten Anleger schon einen vollständigen Schutz Ihrer Einlagen. Tatsächlich aber ist Ihr Geld noch in weit höheren Bereichen zu 100 % abgesichert. Durch den Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken wird Guthaben einschließlich der angefallenen Zinsen pro Anleger bis zu einer Höhe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank abgesichert. Selbst kleine Banken mit einem Eigenkapital von nur zehn Millionen Euro (zum Vergleich: die Deutsche Apotheker- und Ärztebank weist für 2005 ein haftendes Eigenkapital von 2,478 Milliarden Euro aus) garantieren die Einlagen pro Kunde bis zu einer Höhe von drei Millionen Euro. Für die meisten Kontoinhaber bedeutet das einen praktisch vollständigen Schutz ihrer Ersparnisse. Im folgenden einige Beispiele:

Postbank: ca. 1,21 Milliarden Euro Einlagensicherung pro Kunde.
Mercedes-Benz Bank: ca. 280 Millionen Euro Einlagensicherung pro Kunde.
Citibank Deutschland: ca. 220 Millionen Euro Einlagensicherung pro Kunde.

Ausnahmen stellen die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Genossenschaftsbanken dar. Diese Banken gehören nicht dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken an. Die Städte und Gemeinden, welche die Banken eingerichtet haben, schützen die Banken vor drohenden Pleiten durch Sanierung und grossen Rücklagen bei den Landesbanken. Dieses Sicherungsnetz ist mehrfach abgesichert und kann Anlegern jegliche Angst vor einer Bankenpleite nehmen.
Kundengelder sind somit bei zuletzt genannten Banken indirekt in voller Höhe abgesichert.

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